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Kaugummiautomat

Auf einmal steht er da, der Kaugummi­automat. Und ich habe sie dabei, meine kleine neue gebrauchte Kamera. Sie ist digital, also ist sie nicht „neu“, sondern schon ein Dinosaurier., wie alles digitale Gebrauchte. Ich bin fasziniert, ich drücke ab, aus verschiedenen Winkeln, von nah und von fern. Die Farben, der Rost, und vor allem: Ganz viel Erinnerung. An mich als Kind, an die Bande, die sogar einen Namen hatte. War ein Kaugummi­automat kaputt, dann kurbelten wir ihn leer. Die ekligen, meist runden, manchmal aber auch flach und eckig daherkommenden Chemie­bomben füllten wir dann in einen Schul­ranzen, steckten sie später in unserem Bandenlager in alte Einmachgläser und behandelten sie wie einen erbeuteten Piraten­schatz aus Gold.

Zuhause am Rechner sichte ich meine fotografische Beute. Ich mag, was ich sehe. Und da ich auf dem Weg noch einen weiteren Automaten entdeckt habe, denke ich: Da geh ich nochmal mit der großen Kamera hin. Daraus mache ich eine Serie. Coole Idee! Bis ich das dann google. Das Netz tötet mal wieder: Natürlich hat das schon mal jemand gemacht. Du kannst nichts Neues mehr machen, immer war schon einer da. Das war früher auch so, nur hat es da keiner gemerkt, da niemand auf die ganze Welt mit ein paar wenigen Mausklicks zugreifen konnte. Heute ist hingegen alles da, alles schon gesagt, geschrieben, komponiert und fotografiert.

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