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Abschiedslieder

Die Sonne scheint so schön und ich höre Abschiedslieder. Wenn die ersten Blätter bunt werden, dann sollte man jeden Tag in den Wald gehen, sonst ist es gleich vorbei mit dem Indianersommer und man hat's wieder mal verpasst. Und verpassen ist einfach scheiße. Und manchmal bekommt man vom Leben ganz schön eine verpasst. Manch einer wählt daraufhin dann lieber das Nichtleben vor dem Tod, das verspricht das Schmerzrisiko zu minimieren – das Risiko, sich zu freuen, leider ebenso. Der Herbst, Zeit für Abschiedslieder. „Lass sie ziehen“, versuche ich ohne Verkrampfung im Herzen zu denken und zu fühlen. All die Momente, vor allem aber die Menschen. Irgendeiner geht immer gerade. Er vermisst mich nicht, sonst würde er ja nicht gehen. Andere sind ihm wichtiger geworden. Ganz leise, ganz langsam, ganz sacht, wie ein gutes Abschiedslied. Und so sitze ich auf meiner Bank am Waldrand und strecke meine Hände der noch wärmenden Sonne entgegen. Und dem, was da noch kommen möge. Ein erstes Blatt segelt zu Boden, ganz leise, ganz langsam, ganz sacht.

Foto: Wolfram Draht, erhältlich bei OpenDesktop als Bildschirmhintergrund (kostenfrei).

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