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Verwundert

Eigentlich ist Philips und Sony ein Wunder gelungen. Sie haben einen Daten­träger entwickelt, den die Künstler angenom­men haben. Ein bisschen Glück war auch dabei, und so kam eine nahezu kompromiss­lose Ton­qualität dabei heraus. Von einer seltsamen Plastik­ver­pack­ung, die man euphe­mistisch Jewel Case genannt hatte, gingen die Künstler über zu schön be­druckten Pappver­packungen, mit viel Liebe gestaltet. Kleine und große Komplett­kunst­werke; hält man heute eine CD in der Hand, dann hat man in keinster Weise das Gefühl, einfach nur ein paar hundert Millionen Bits in der Hand zu haben, mitnichten ist es ein reiner Tank voller Zahlen. Schub­lade auf, ein­legen, schon das ist ein kleines Ritual. Dann beginnt die Reise durch die Töne. Manchen ist das nicht genug. Manche brauchen die Lang­spiel­platte, die Schall­plat­ten­bürste gegen den Staub, aber bitte nicht gegen allen Staub, ein paar Knackser dürfen es eigentlich schon sein. Die klingen besser, sagen sie. Aber eigent­lich geht es um das Ritual, um das Wert­schätzen von Musik, um das An­fassen und sich be­rühren lassen. Die anderen gehen zu Spotify, dem Online-Armuts­zeugnis für künst­lerische Leis­tungen. Das gelungene Wunder hat aus­gedient, die Körper­losig­keit des Netzes hält den Kon­sumenten gefangen und die Künstler müssen auf die Bühne flüchten, um einen Rest von Mammon zu erhaschen.

Foto: Pixabay, bearbeitet vom Autor.

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Kommentare

Stephan Kleinert am :

Wir haben uns bei unserem letzten Album sehr lange überlegt, in welcher Form wir es rausbringen wollen. Wir entschieden uns schließlich für Vinyl – hauptsächlich deshalb, weil wir so etwas einmal im Leben gemacht haben wollten... und weil dies für uns als Band/Studioprojekt höchstwahrscheinlich die letzte Chance sein würde.

Unsere Wahl liegt aber auch darin begründet, dass wir groß geworden sind mit einem Gefühl, das die meisten jungen Musikhörer heute leider nicht mehr erfahren werden: Das feierliche Auspacken und Staunen einer Platte, wenn Deine Lieblingsband ein neues Album rausgebracht hat. Das visuelle und taktile Erfahren der Produktion. Unsere Platte ist ein Gatefold mit einem Poster drin, und einem Umschlag, und einem Geheimnis in diesem Umschlag. Es gibt in jeder Hinsicht viel zu entdecken.

Und die Beschränkung auf rund 20 Minuten pro Seite, sowie die zwangsweise Trennung des Tonträgers in zwei Teile hat auch ihren Charme... "Thanksgiver" wurde aufgenommen mit der Tatsache im Hinterkopf, dass es Vinyl werden würde, und deshalb ist es auch so, wie es ist: Mit einer 20minütigen Suite auf der ersten Seite, und vier einzelnen Songs auf der zweiten.

Hätte man das auch mit einer CD und einer Pappverpackung hingekriegt? Ja, vermutlich, es hätte dann anders ausgesehen, aber irgendwie wäre es schon möglich gewesen.

Aber eben nicht so, wie wir uns das von Anfang an vorgestellt und erträumt haben. Und ganz ehrlich... unser letzter Tonträger wird eh nur von unseren Fans gekauft, und denen ist es egal, ob wir auf CD, Platte, Tape oder Draht veröffentlichen, solange wir auch die Download-Option anbieten.

Neue Menschen hingegen erreicht man in diesem Internet eh schon lange nicht mehr, und Spotify ist für Bands mit einem Nischenpublikum eh vollkommen hirnrissig. So viele Hörer werden wir nie haben, dass sich das irgendwie lohnen würde. Wenn wir uns also schon ein letztes Mal aufbäumen, zusammen einen kreativen Akt vollbringen und die Welt außerhalb unserer Fans null Notiz davon nimmt, dann gibt es keinen Grund, in der Darreichungsform Kompromisse einzugehen ;-)

Was die Sache mit der Qualität betrifft... dank unserer Entscheidung für Vinyl hatten wir den "Spaß", das Album zweimal zu mastern. Einmal für Vinyl und einmal für digitale Downloads oder sonstige 44.1kHz/16Bit Angelegenheiten. Und auch das haben wir selbst gemacht, weil ich einmal im Leben da durch wollte (nie wieder!). Danach kann ich zumindest dieses sagen: Es klingt nicht besser, es klingt anders. Ich denke, für "Thanksgiver" passt es recht gut, aber die Geschmäcker sind natürlich unterschiedlich ;-)

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