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Das harte Leben

Ich stelle mir das so vor, ein schummriger, tätowierter Raum und überall ist Rauch wie er früher einmal war; Rauch aus Tabak und Mari­huana und nicht dieser Dampf der akku­betriebenen Taschen­nebel­maschinen, an denen heute jede Sau saugt. Ich stelle mir das so vor, dass man hier nicht auf dem Boden liegen möchte, weil man nicht weiß, ob der in den letzten zwölf Jahren mal ge­wischt wurde und wer zuletzt in welcher Bier-, Pisse-, oder Kotze­lache hier gelegen hat. Viel­leicht ist da auch Benzin auf diesem Boden, denke ich mir, aber das verdampft, also Motor­öl. Ja, Motor­öl ist gut. Und dazu läuft vielleicht Dio aus den Laut­sprechern, mit The Last in Line, also nicht das Album, sondern der Song. Dass Ronnie James Dio tot ist, passt so exakt ins Gesamt­bild wie Jesus ins letzte Abend­mahl. Alle tun dann so voll hart, oder waren echt schon im Knast, oder beides, und es gibt Jim Beam, Wodka Cola, Jacky Cola, Araber und all die anderen Kotz­mischungen mit Cola halt so. Dazu Bananen­weizen, für die gestähl­testen der harten Mägen. Und Butter­fly­messer und Zippo-Feuer­zeuge und Toten­schädel. Den ganzen Kram, den noch nie ein Mensch brauchte, außer um das harte Leben zu feiern. Und um daheim im Vor­garten am Kugel­grill, hinterm Sicht­schutz vor den Nach­barn, dann wieder der lang­weilige aber zu­friedene Spießer zu sein, der diese verschis­sene Härte des Lebens dort gelas­sen hat, auf diesem ver­kotzten und ver­ölten Fuß­boden, an ihrem Ort des Elends; stinkend, lärmend und tot.

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